Maßnahmen zur Starkregenvorsorge
Vorsorge- und Anpassungsmaßnahmen zur Schadensminderung
Das Starkregenrisikomanagement umfasst neben der Gefährdungs- und Risikoanalyse die Entwicklung geeigneter Vorsorge- und Anpassungsmaßnahmen. Nach DWA-M 119 werden Maßnahmen unterschiedlichen Kategorien zugeordnet. Die kanalnetzbezogenen Maßnahmen werden hier nicht mitberücksichtigt, da sie der regulären Entwässerungsplanung zuzuordnen sind. Der Fokus liegt auf Maßnahmen außerhalb des Kanalnetzes, die für die Bewertung und Minderung von Starkregenrisiken maßgeblich sind.
Quelle: Maßnahmenkategorien nach Merkblatt DWA-M 119
Infrastrukturbezogene Maßnahmen
kombinieren graue, grüne oder blaue Elemente, um Regenwasser nicht möglichst schnell abzuleiten, sondern vor Ort zu nutzen, zu speichern und versickern zu lassen. Da bestehende Strukturen oft nur begrenzt anpassbar sind, werden meistens Einzelmaßnahmen umgesetzt, die gemeinsam die Klimaanpassung und das Regenwassermanagement verbessern
Graue Infrastruktur
umfasst alle technischen und baulichen Anlagen, die für Versorgung, Entwässerung, Mobilität und Stadtbetrieb notwendig sind (technische Bauwerke wie Kanäle, Rohrsysteme, Rigolen sowie Straßen, Wege und andere versiegelte Verkehrsflächen).
Im Zusammenhang mit Starkregen steht graue Infrastruktur vor allem für technische Lösungen, die Wasser ableiten, zurückhalten oder regulieren.
Grüne Infrastruktur
umfasst alle natürlichen und bepflanzten Strukturen in Städten und Gemeinden, die ökologische Funktionen übernehmen und das Stadtklima verbessern. Dazu zählen Parks, Grünflächen, Wiesen, Stadtbäume, aber auch begrünte Dächer und Fassaden sowie naturnahe Freiräume wie Gärten und Höfe.
Im Zusammenhang mit Starkregen trägt grüne Infrastruktur dazu bei, Wasser zurückzuhalten und zu speichern. Sie verbessert zugleich das Mikroklima, erhöht die Klimaresilienz und trägt zur Entlastung der Kanalisation bei.
Blaue Infrastruktur
Blaue Infrastruktur umfasst natürliche und künstlich angelegte Wasserflächen und -systeme, die Wasser speichern, leiten oder verdunsten lassen. Dazu gehören Flüsse, Bäche, Kanäle, Seen, Teiche, aber auch Rückhaltebecken oder Regenwasserspeicher und Mulden-Rigolen-Systeme mit offenem Wasseranteil.
Im Zusammenhang mit Starkregen dient blaue Infrastruktur dazu, Niederschlagswasser gezielt aufzunehmen, zwischenzuspeichern, gedrosselt weiterzuleiten oder in die Umgebung abzugeben. Sie hilft, Abflussspitzen zu reduzieren, Überflutungen zu vermeiden und natürliche Wasserkreisläufe zu stärken.
Gewässerbezogene Maßnahmen
nutzen oder verbessern natürliche und künstliche Gewässer, um bei Starkregen Wasser aufzunehmen, zu verzögern oder kontrolliert abzuleiten. Sie reduzieren damit Hochwassergefahren, entlasten die Kanalisation und verbessern den natürlichen Wasserrückhalt.
Auen- und Retentionsflächen
Natürliche Überschwemmungsbereiche wiederherstellen oder ausweisen, damit Gewässer bei Starkregen ausweichen können. Diese Flächen nehmen bei Starkregen Überschusswasser auf, bremsen den Abfluss und entlasten Unterlieger. Sie fördern zudem Biotopverbund und Grundwasserneubildung.
Gewässeraufweitungen und Renaturierungen
sowie zusätzliche Nebengewässer und Mulden erweitern den natürlichen Wasserrückhalteraum und verbessern die Abflusskapazitäten. Durch breitere Gewässerprofile, naturnahe Ufer, zusätzliche Seitenarme und Rückhalteräume kann Starkregenwasser langsamer abfließen, sich verteilen und kontrolliert aufgenommen werden. Dies reduziert Abflussspitzen und mindert Überflutungsrisiken.
Entsiegelung und Schaffung von Regenrückhalteräume
Rückbau von versiegelten Flächen in Ufer- und Niederungsbereichen und Ersatz durch durchlässige Beläge oder Vegetation. Dies erhöht Versickerung und Verdunstung, reduziert den schnellen Oberflächenabfluss und fördert natürliche Wasseraufnahme im unmittelbaren Gewässerumfeld. Regenrückhalteräume schaffen zusätzliche Speicherkapazitäten, um Starkregenwasser kontrolliert zurückzuhalten.
Flächenbezogene Maßnahmen
Anpassung der Bebauungsplanung an Starkregenrisiken, damit gefährdete Bereiche nicht weiter versiegelt und Wasserabfluss sowie Überflutungsrisiken reduziert werden.
Verbesserung der Bodendurchlässigkeit
Entsiegelung und Verbesserung der Bodendurchlässigkeit umfassen den Austausch versiegelter Flächen durch wasserdurchlässige Beläge, bepflanzte Bereiche oder andere durchlässige Strukturen. Dadurch wird die Versickerung erhöht, Oberflächenabfluss reduziert und zugleich die natürliche Bodenfunktion zur Speicherung und Filterung von Regenwasser gestärkt.
Mulden und Versickerungsflächen
sind gezielt angelegte Geländevertiefungen oder begrünte Senken, die Niederschlagswasser aufnehmen, zurückhalten bzw. zwischenspeichern und kontrolliert in den Boden versickern lassen. Sie verlangsamen den Abfluss, entlasten die Kanalisation und fördern die natürliche Versickerung sowie die Grundwasserneubildung.
Regenrückhalt auf privaten Grundstücken
umfasst Maßnahmen wie Zisternen, kleine Retentionsflächen oder Dachbegrünungen, die Niederschlagswasser vor Ort aufnehmen, speichern und zeitverzögert abgeben. Dadurch wird der Oberflächenabfluss reduziert, die Kanalisation entlastet und Wasser für Bewässerungszwecke nutzbar gemacht.
Objektbezogene Maßnahmen
sind bauliche und technische Schutzmaßnahmen, die direkt am Gebäude oder Grundstück umgesetzt werden, um Schäden durch Starkregen zu vermeiden oder zu vermindern. Die Umsetzung liegt überwiegend in der Verantwortung privater Eigentümer und setzt ein erhöhtes Risikobewusstsein sowie fachkundige Beratung voraus. Hochwasservorsorgeausweis
1. Ausweichen
Ziel ist es, Wasser vom Gebäude fernzuhalten.
Beispiele: Lage und Planung von Neubauten außerhalb gefährdeter Bereiche, erhöhte Gründung oder Verzicht auf Unterkellerung, Anpassungen am Gelände zur gezielten Wasserführung, permanente oder mobile Barrieren wie Aufkantungen, Dammbalken oder Schottsysteme
2. Widerstehen
Das Eindringen von Wasser wird baulich verhindert.
Beispiele: Abdichtung gegen Grundwasser, Rückstauschutz gegen überlastete Kanalisation, druckwasserdichte Wanddurchführungen, Schutz von Kellerfenstern und Lichtschächten, wasserdichte Türen und Fenster
3. Anpassen
Wenn Wasser nicht vollständig abgehalten werden kann, wird die Nutzung und Bauweise so gestaltet, dass Schäden minimiert werden.
Beispiele: Einsatz wasserrobuster Materialien in Wand-, Boden- und Deckenkonstruktionen, hochwasserangepasste Haustechnik, schnell demontierbare Bauteile, schadensarme Nutzung in gefährdeten Räumen